Lichterfest – Neue Leuchten zur dunklen Jahreszeit

Wenn man dem Winter mit seinen frühen Abenden etwas Positives abgewinnen kann, dann sind das auf jeden Fall das prasselnde Kaminfeuer, die Mußestunden ohne Gartenarbeit mit einem guten Buch, deftige Eintöpfe mit saisonalen Gemüsen und die stimmungsvolle Illuminierung der Räume durch entsprechende Leuchten. Seit dem verordneten Ende der Glühlampe hat sich einiges auf dem Markt getan. Wir zeigen Ihnen einige Beispiele.

Es gibt Erfindungen, die sind nicht nur bahnbrechend, sondern geradezu von evolutionärem Ausmaß: das Rad, die Dampfmaschine, das Automobil – und die Glühlampe. 1880 von Thomas Alva Edison zum Patent angemeldet durfte sie uns nicht nur mit ihrer Leuchtkraft fast 130 Jahre erwärmen. Dann wurde aus Umweltgründen 2009 beschlossen, ihre Produktion successive abzuschalten, obwohl die Energie, die im Haushalt für Beleuchtung aufgewendet wird, nur zwei Prozent beträgt. Seit letztem Jahr wird sie also in keiner Watt-Größe mehr produziert, da sie nur fünf Prozent der Energie in Licht umwandelte, aber 95 Prozent in Wärme. Es folgte die Energiesparlampe, wobei der Name relativ ist. Denn auch sie wandelt gerade einmal 25 bis maximal 30 Prozent der Energie in Licht um, benötigt aber bei der Herstellung fast 4 KWh im Gegensatz zu nicht einmal 1 KWh, welche die Produktion einer Glühlampe brauchte. Vor dem Hintergrund, dass Fieberthermometer mit Quecksilber verständlicherweise inzwischen verboten sind, weil bei Bruch dessen Freisetzung zu massiven Gesundheitsschäden führen kann, ist die Energiesparlampe mit diesem und noch mehreren weiteren Giftstoffen nicht wirklich die gesunde Alternative, für die sie immer ausgegeben wird. Durch ihr unnatürliches Farbspektrum mit viel UV-, aber wenig Infrarot-Licht nehmen wir ihre Leuchtkraft auch immer als kalt und ungemütlich auf.


Glücklicherweise hat aber auch die Forschung weiter an wirklichen Alternativen gearbeitet und die LED (lichtemittierende Diode)-Lampen auf den Markt gebracht. Mit diesen neuen Leuchtmitteln lässt sich nun 70 bis 90 Prozent Energie sparen, und die längere Lebenszeit und wesentlich erhöhte Schaltbarkeit amortisieren die erhöhten Anschaffungskosten bereits nach kurzer Zeit. War die erste Generation auch hinsichtlich der Umweltfreundlichkeit noch nicht ganz makellos, sind nun aber weiterentwickelte Modelle auf dem Markt, die uns wieder das wahrlich warme Licht der guten alten Glühlampe spüren lassen. Bei diesen LED-Filament-Lampen wird die Optik der ehemaligen Kohlefäden nicht nur nachempfunden, sondern durch  fantasievolle Windungen noch gesteigert, wobei der Energieverbrauch extrem niedrig, die Lichtausbeute dabei aber hoch ist. Daher ist es auch reizvoll, diese in Gruppen von mehreren Leuchten zusammen aufzuhängen oder aufzustellen.

Doch auch bei den „normalen“ LED-Lampen ist die Entwicklung dank intensiver Forschung weiter gegangen, und somit ist die Palette an neuen Leuchten mit neuartigem Design, verbunden mit innovativer Technik immens gewachsen. Es braucht schon eines guten Fachgeschäftes mit geschultem Personal, um sich einen fundierten Überblick über alles, was heute möglich ist, zu verschaffen. Lichtplanung ist nicht mehr nur Gewerbebetrieben vorbehalten, sondern nimmt auch Einzug in Privathaushalte – Smarthome ist das Stichwort. Individuell steuerbare Licht-Inszenierungen setzen Akzente, heben hervor oder lassen gezielt in den Hintergrund treten. Leuchten sind nicht mehr statisch in Position und Funktion. Ein beeindruckendes Beispiel hierfür ist die Leuchte MITO von der deutschen Firma OCCHIO, die erst 1999 gegründet wurde, inzwischen aber auf dem heimischen Markt führend für hochwertige Designerleuchten ist. Als eines der innovativsten Unternehmen in dieser Sparte entwickeln sie Lichtkörper nach dem eigenen Selbstverständnis, dass gutes Licht gleichzeitig Lebensqualität bedeutet. MITO überzeugt gleich mit mehreren technischen Raffinessen: Als Pendelleuchte lässt sie sich leicht in der Höhe verstellen, wobei die Kabel sich unsichtbar aufrollen oder verlängern, der Lichtauslass kann stufenlos zwischen Up- und Downlight verteilt werden, jeweils unabhängig voneinander dimmbar, und dies alles ohne Lichtschalter, sondern am Leuchtenkopf selbst allein durch Gestik ohne Berührung oder über eine App. Auch kann die Farbtemperatur situationsbedingt ausgewählt werden. Damit ist diese Leuchte universell einsetzbar, unabhängig von Deckenhöhe und Raumart.

Diese beiden Faktoren sind jedoch maßgeblich bei der Auswahl der jeweiligen Beleuchtung. Lange Zeit war die mittig in der Decke platzierte Pendelleuchte mangels vorhandener Alternativen das Maß aller Dinge. Als zeitgemäßer Nachfolger von Kronleuchter und Lüster schwebte und schwebt sie oft noch ohne relevanten Möblierungs-Bezug in der Raummitte und verteilt das Licht ziellos. Selbst über Esstischen erscheinen viele Leuchten willkürlich. Eine einfache runde Leuchte über einem länglichen Esstisch macht wenig Sinn, es sei denn, mehrere kleine Ausführungen sind in Reihe gehängt, wie dies auch über Küchentresen oder –theken sinnvoll ist. Hierbei sollte möglichst die gesamte Lichtmenge nach unten auf den Tisch mit Essen oder die Arbeitsplatte mit Lebensmitteln gerichtet sein, allenfalls ein kleiner Teil nach oben zur diffusen Allgemeinbeleuchtung.

Ein blendfreies Essen im Sitzen oder Arbeiten im Stehen ist dabei unabdingbar. Daher sind in Höhe und Lichtintensität verstellbare Leuchten eindeutig zu präferieren. Beispielhaft ist die Leuchte LEDERAM MANTA S1 von Catellani & Smith. Sie ist rund, hat aber einen dreifach abgewölbten Schirm, dessen goldene Untersicht durch einen Reflektor angestrahlt wird und die Lichtmenge wieder nach unten in die Breite leitet.

Bei dem Einsatz im Wohnbereich kann die Höhe statisch sein, die Möglichkeit der situativen Einstellung der Helligkeit sollte aber auch hier gegeben sein. Dafür muss jedoch noch mehr Wert auf das Design gelegt werden, da die Leuchten in der Regel tiefer und somit noch mehr im Blickfeld hängen. Um Blendfreiheit zu erreichen, sind auch Leuchten von Vorteil, bei denen die Lichtquellen durch Matt- oder Opalglas verdeckt werden. Einzelne Objekt-Inseln wie Beistelltische oder Kunst- und Deco-Objekte werden dagegen besser mit Deckenspots in Licht-Szene gesetzt. Es sei denn, man verbindet beides miteinander mittels der Leuchte DNA von Next als Standvariante, deren einzelne Module in Form von organischen Strukturen mit jeweils 3 Leuchtkugeln untereinander frei addierbar und somit Lichtspender und individuelles Designobjekt in einem sind.

Flure und Dielen, die eigentlich den ersten und damit wichtigen Eindruck für Besucher vermitteln, werden leider immer noch –nicht nur bezüglich der Leuchten-Auswahl- stiefmütterlich behandelt. Gerade hier lässt sich jedoch vortrefflich inszenieren. Wandstrahler, Deckenfluter oder eine strenge Pendelreihung können diese Funktionsräume zu Bühnen machen. Spots sind hier im Idealfall immer leicht gegen die Wände geneigt, um interessante Lichtkegel zu erzeugen, statt nur die Häupter der durchlaufenden Personen von oben zu belichten. Eine interessante Wandlösung ist die Leuchte iO VERTICALE von Occhio, die mittels zweiseitigem Lichtauslass und 360 Grad Drehbarkeit faszinierende Lichtgeometrien auf die Wand zaubert.

Treppen- oder Treppenhausbeleuchtungen erfordern wiederum ganz andere Lösungen. Dabei kommt es darauf an, ob auch Besucher diese benutzen oder nur die Bewohner. Bei letzteren reicht es vielleicht aus, jede dritte oder vierte Stufe von einer Seite aus zu beleuchten. Für Besucher jedoch ist es problemloser, wenn jede einzelne Stufe einigermaßen ausgeleuchtet ist ohne Schattenzonen dazwischen, vor allem beim Abstieg. Große Treppenaugen, eine zweigeschossige Halle oder ein Atrium verlangen geradezu nach ebenso groß(artig)en Lösungen. Mehrere Leuchten aus einer Serie, eventuell auch in verschiedenen Größen, hängen an unterschiedlich langen Pendeln und leuchten somit auf elegante und imposante Weise die einzelnen Niveaus hinreichend aus. Möglich ist auch die Wahl von verschiedenen Oberflächen oder Farben, die jedoch in einem Zusammenhang stehen sollten. Beispielsweise ist die Pendelleuchte MELT PENDENT von Tom Dixon in den drei metallischen Tönen Gold, Silber und Kupfer erhältlich. Die einer geschmolzenen Glasblase ähnelnden amorphen Leuchtkörper mit ihren im Off-Zustand verspiegelten Oberflächen bilden in ihrer Gesamtheit meisterhaft den hier nötigen Eyecatcher.

Wichtig bei allen Einsatzbereichen ist die genaue Feinjustierung des Lichtwunsches und die daraus resultierende Leuchtenauswahl. Um eine Übersicht über die innovativsten technischen Möglichkeiten und die neuesten Designs zu bekommen, bedarf es eingehender Beratung durch Fachhändler. Eine Internet-Recherche als Laie ist als Einstieg und Orientierungshilfe vielleicht sinnvoll, jedoch sicherlich nicht ausreichend. Um eine individuelle Konzeptionierung der Beleuchtung zu erstellen, ist die professionelle Lichtplanung durch einen Fachbetrieb sinnvoll. Dies gilt nicht nur für Neubauten. In diesem Falle jedoch ist diese noch vor Baubeginn anzuraten, da dann alle Optionen für spätere Leuchten berücksichtigt werden können, und die neue „Lieblingsleuchte“ nicht an einem falsch platzierten Anschluss scheitert, denn: Gutes Licht ist Lebensqualität.

 

TEXT: Rainer Güntermann

FOTOS: Occhio, SERIEN RAUMLEUCHTEN, LEDERAM, OCHIO, LUCEPLAN, LICHT IM RAUM, NORTHERN LIGHTNING, BOVER, FOSCARINI, DeltaLight

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterEmail this to someonePrint this page