DER LAUT BLÄSER

Bald ist es mit dem Feierabendkonzert der Grillen schon wieder vorbei, denn dann schlüpft der Nachbar nach seiner Rückkehr zu Heim und Herd vom Businessoutfit direkt in die Gärtnerfunktionskleidung, klemmt sich –falls auf das Wohlbefinden seiner eigenen Lauscher bedacht- die Kopfhörer auf, schwingt den Schulterriemen des Laubsaugers über und legt los. Akribisch, in exakten Parallelbahnen und mit gleichbleibend lockeren Schwüngen aus der Hüfte pustet er mit Formel 1-ähnlichem Aufheulen in ebenfalls gleichmäßigem Takt alles nicht fest im Boden Verankerte gen Grundstücksausgang, sprich Straße. Dort wird das Blasgut dann schlurfenden Kindern, dem Wind, letztlich aber der Müllabfuhr überantwortet.
Werden die Pumpgun-ähnlichen Weg-Puster gerne von den Männern und für alle zu beblasenden Flächen ab drei Quadratmetern benutzt, wählen blasaffine Frauen gerne das Handfeuerwaffen-ähnelnde Lightmodell, dessen Handhabung sie ja bereits vom allseits griff- und einsatzbereiten Handstaubsauger beherrschen. So lässt sich auch der kleinste Ahornsämling von der Fußmatte bis zum Rinnstein pusten, ohne die French-Nails beim Einsatz von Handfeger und Kehrblech unnötiger Bruchgefahr auszusetzen.… zum Artikel

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Der Mulchmaler

Ich kann mich gar nicht entscheiden – ist alles so schön bunt hier“ – Nina Hagens verzückter Ausruf in dem Song TV-Glotzer scheint auch einigen Hobby-Landschaftsgärtner(inne)n in den Kopf zu schießen, wenn sie in ihrem Lieblingsbaumarkt vor den zahlreichen Musterflächen von Mulchsorten, Häckselholzspänen, Kieseln, Marmor- oder Granitbröckchen stehen und auswahlüberfordert verharren. Der Begriff „Colour-Blocking“ aus der Modewelt ist dabei allem Anschein nach kein Auswahlkriterium. Ganz im Gegenteil. Möglichst viele unterschiedliche Colorationen werden eingekauft, damit auch der Boden unter und zwischen den in allen Farbtönen leuchtenden Ziergewächsen entsprechend mithalten, oder besser gesagt, farblich noch eins draufsetzen kann. Um alle erworbenen Materialien überhaupt einsetzen zu können, wird auf der Fläche eines Gästetuches mithilfe von wiederum farbigen Trennstreifen versucht, eine barocke Gartenlandschaft à la Schloss Schönbrunn anzulegen, wenngleich statt einer Kutschen-Vorfahrt nur eine lediglich Bobby-Car-geeignete Fahrspur um eine aufgepropfte Hochstammrose machbar ist. Damit ob der Vielfarbigkeit vielleicht irritierte Besucher nicht von der vorgegebenen Wegfarbe abkommen, geleiten ihn solarbetriebene Minileuchtpiekser in allen verfügbaren Plexiglascolorationen zum Eingangportal.… zum Artikel

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Funktion ohne Funktion

Funktionskleidung

Kaum sind die Waldwege wieder frostfrei, die Feierabende nicht mehr ganz so dunkel und die Atemluft nicht mehr gar so eisekalt, sehen wir wieder taucherähnliche Geschöpfe in extra-slim-fitten Ganzkörper-Überziehern ihre Runden laufen. Mitleidsvoll Anteil nehmende Autofahrer bekommen die gleichen Blicke der Durchtrainierten wieder zurück und erleiden umgehend Bauchschmerzen aufgrund des aggressiv nagenden schlechten Gewissens. So weit – so gut, würde es nur bei den morgendlichen oder abendlichen Begegnungen im Grüngürtel bleiben. Aber auch sonntags früh beim Bäcker findet ein frisch geduschter Kunde in, sagen wir, gängiger Kleidung sich wieder zwischen martialisch anmutenden Athleten in einem Outfit, welches einen veritablen Triathlon noch vor dem Frühstückscroissant erwarten lässt, zuweilen legen aber Auge und Nase die Vermutung auch nahe, er sei schon vorbei. Einer Kriegsbemalung gleich zieren überall neonfarbene Leuchtstreifen die hautenge Verhüllung, um das ohnehin eingeschüchterte Umfeld nachhaltig zu beeindrucken. Ist für die kommenden acht Stunden auch nur im Promillebereich des Möglichen feuchter Niederschlag oder eine Brise im einstelligen Kilometer-pro-Stunde-Bereich angesagt, hält die Funktions-Oberbekleidung auch Einzug in das alltägliche Straßenbild, um jederzeit gegen alle Widrigkeiten eines Stadtbummels gewappnet zu sein.… zum Artikel

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Der Wurst Toaster

 

glosse-36-37Na, auch schon Platz gemacht? In der Küche meine ich, schließlich muss man rechtzeitig Vorsorge treffen für all die innerhalb des letzten Jahres neu auf den Markt gekommenen Must-haves der Elektrogeräte.

Bekommt die weibliche Haushaltshälfte von unverbesserlich einfallslosen Weihnachtsmännern vielleicht noch elektrische Haushaltshilfen in Form von Staubsaugern oder Fensterdampfstrahlern geschenkt, freut sich das emanzipierte männliche Pendant inzwischen für seine sporadischen Herdbesuche über Küchenmaschinen mit einem Telefonbuch-dicken Zusatzgerätekatalog.

All-in-one-Schneidmixkochback-Automaten mit dem Sound einer ebenfalls schon immer gewünschten Harley Davidson oder Aufsatz-Kochfelder mit neuester Hitze-Elektronik, die zwar das 36-teilige Kupferkessel und –pfannen-Set vom letzten Geburtstag unbenutzbar machen, aber ohne diese unabdingbare Innovation kann man(n) halt keine Freunde mehr zum veritablen Steakessen einladen.

Da stehen sie nun ehrfurchteinflößend aufgereiht wie eine einsatz- und angriffswütige Maschinen-Armee.

Bis Ostern darf der neue Elektro-Fuhrpark ja auch noch dichtgedrängt auf der Arbeitsfläche stehen, um gnadenlos täglich benutzt zu werden. Schließlich scheinen nun keine Rezepte mehr ohne ihren unbedingten Einsatz zu einem halbwegs essbaren Ergebnis zu führen.… zum Artikel

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SOFORTREINIGER

Sofortreiniger

 

Was waren das noch für Zeiten, als Besen, Handfeger und Kehrblech noch ein eingeschworenes Reinigungsteam bildeten. Immer griffbereit, lautlos und geruchsneutral.

Heute hängt bestenfalls über der Küchenarbeitsplatte, schlimmstenfalls neben dem Esstisch der Akku-Handstaubsauber als – weil farblich abgestimmt- zusätzliches Dekoelement an der Wand. Auch im Dunkeln ist er dank der Aufladeleuchte stets schnell und sicher zur Hand. Beginnen nach einigen Monaten die aufgesaugten Lebensmittelreste ein buntes und bewegtes Eigenleben im durchsichtigen Müllbehälter, bieten sie einen weiteren optischen und bei Inbetriebnahme auch nasalen Anreiz.
Anders im Bad: Während der Studenten-WG-Zeiten war zwar jede zum Überleben unbedingt notwendige Säuberungsmaßnahme in seitenlangen Putzplänen aufgelistet, natürlich geschlechtsneutral, paritätisch und postergleich stets augenfällig am Infobrett aufgepint, der Duschvorhang jedoch durfte langsam, aber stetig Kolonien von Bakterien und Keimen in seinen feuchten Falten ansiedeln. Allmählich aufsteigende Schleimfahnen sorgten je nach Shampoofarbe für colorative Akzente zum Einheitsweiß oder –beige der Kacheln. Mögliche Geruchsprobleme wurden einfach weggeschäumt, und beim Zur-Seite-Schieben war das vermeintliche Problem sowieso aus den Augen und aus dem Sinn.… zum Artikel

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