Dachterrassen

Sehnsüchtig blicken viele von ihrem Balkon in die Gärten des Erdgeschosses oder der Nachbarschaft. Nie gab es so viele Magazine über Gärten, Pflanzen und Blumen. Bunte Bildbände zum selbigen Thema liegen in hohen Stapeln während des Sommers im Eingangsbereich der Buchhandlungen. Wer aber – wie ich selbst – leidgeprüfter Besitzer eines großen Gartens ist, wird alljährlich ab März von der grünen Wachstumslawine überrollt und sehnt sich vielleicht nach einem wahrlich überschaubaren Dachgarten mit klar begrenztem Wuchs-Horizont und zeitminimiertem Pflegeaufwand.

„In der Kürze liegt die Würze“. Umgemünzt auf den Dachgarten heißt das soviel wie „In der Beschränkung liegt die Wirkung“. Beschränkung bezieht sich dabei nicht nur auf die räumliche Ausdehnung, sondern vor allem auch auf die Konzentrierung auf wenige Pflanzenarten und –farben. Nicht unentschlossenes Bepflanzen mit allen Sonderangeboten aus dem Gartencenter, sondern eine gezielte Auswahl weniger Sorten, jede wiederum in möglichst einer Farbfamilie lassen die kleinen bepflanzten Flächen großzügiger erscheinen. Auf Maß gefertigte und daher den zur Verfügung stehenden Platz optimal ausnutzende Pflanzkästen verstärken diesen Eindruck und bieten im Gegensatz zu einzelnen Kübelgefäßen den Vorteil einer einfacheren Bewässerung. Besteht allerdings die Notwendigkeit des Überwinterns einzelner Pflanzen an einem anderen Ort, sind individuelle Behältnisse allerdings unverzichtbar. In diesem Falle sollte man sich aber hinsichtlich des Materials und der Farbe der Behältnissen beschränken, also ruhig den Pflanzen entsprechende verschiedene Größen, aber alle aus einem Material gefertigt und in einer Farbe gehalten.

Bei der Planung einer Dachterrasse ist die genaue Bedarfsermittlung von Sitz-, Liege- und Stellflächen ein wichtiges Kriterium vor der Verplanung von begrünten Arealen. Wenn gewünscht, wie viele Sitzplätze sollte dann ein Esstisch haben? Reicht eine Lounge-Ecke zum gepflegten Drink mit Gästen oder möchte ich auch noch mindestens zwei Liegestühle aufstellen? Nicht zu vergessen: Benötige ich einen Grillplatz? Wenn ja, wo verursacht er am wenigsten Geruchs- und Rauchbelästigung – nicht nur bezüglich der eigenen Gäste, sondern auch gegebenenfalls der Nachbarn? Wie bei der Planung einer Inneneinrichtung helfen hier ein maßstabgetreuer Grundriss und nach vorhandenen Möbeln oder Standardgrößen entsprechend zugeschnittene Kärtchen, die man hin- und herschieben kann – und natürlich „der Architekt Ihres Vertrauens“. Kaminmauern, die oft auch einen Wind- oder Sichtschutz bieten, scheinen förmlich nach einer Begrünung mit einer Rank- oder Kletterpflanze zu rufen, aber Vorsicht: Efeu und wilder Wein mit ihren Saugwurzeln sind schnellwachsend und schön, schädigen aber dauerhaft nicht nur den Anstrich, sondern auch den Putz darunter. Idealer sind Pflanzen, die sich um Rankgerüste schlingen und die Wand dahinter nicht beeinträchtigen. Aber auch hier gilt es, auf Dauer junge Triebe unter Beobachtung zu halten, damit diese sich nicht unbemerkt in Ritzen und Fugen ausbreiten und beim Ausdehnen durch Verholzung eventuell Verkleidungen aushebeln.

Im Fachhandel sind als Sonnen-, Wind- oder Sichtschutz auch schmale Längskästen mit einem komplett bewachsenen Spalier, zum Beispiel mit Buche oder Ahorn, in verschiedenen Breiten und Höhen erhältlich. Im Gegensatz zu Weiß- und Blutbuche behält die grünblättrige Rotbuche auch im Winter ihr vertrocknetes Laub am Holz und wirft es erst im Frühjahr mit dem neuen Austreiben ab. Feuerahorn macht den winterlichen Blattverlust im Herbst wett mit einem leuchtenden Farbenspiel.


Auch bei dem Bodenbelag einer Dachterrasse gilt es, Standnässe zu vermeiden und ein Gefälle hin zu einer Dachrinne einzuplanen. Mit entsprechender Ausrichtung der Rillen bei Bodenplanken natürlich. Aufgrund der exponierten Lage ist das Problem der Vermoosung von Böden nicht so gegeben wie auf mehrseitig umschlossenen Terrassen im Erdgeschoss. Dafür ist das Thema Windschutz umso wichtiger. Fest montierte Ösen aus rostfreiem Material helfen, Sonnensegel und Planen zu spannen, aber auch Stämme von Pflanzen und Sonnenschirme bei Bedarf zu sichern. Der möglich Wind ist neben der ungehinderten Sonnen­ein- strahlung auch ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl der Bepflanzung. Und auch bei windunempfindlichen Gewächsen helfen entsprechende Gerüste, den Wuchs gleichmäßig und nicht windschief zu ermöglichen. Bei Kübeln ist auch ein regelmäßiges Drehen eine einfache wie effektive Maßnahme. Unterschätzt wird oft die Möglichkeit der Dachterrassennutzung im Winter. Damit ist weniger das Betreten selbst als vielmehr die optische Erweiterung der Wohnung gemeint.

Akzentuiert platzierte Leuchten, die im Sommer zur Beleuchtung der Dachterrassennutzung dienen, lassen im Winter zumindest die räumliche Außenerweiterung nachvollziehen. Bei entsprechender Anzahl, Größe und Ausleuchtung kann auch die benötigte Lichtmenge im Inneren dezenter gestaltet werden. Wie ebenerdig im Garten kann auch die Bepflanzung einer Dachterrasse im Winter durchaus sehr stimmungsvoll in Szene gesetzt werden. (In unserer Winterausgabe finden Sie Tipps zur Aussenbeleuchtung). Aufgrund der mannigfaltigen Möglichkeiten auf diesem doch sehr speziellen Gebiet empfiehlt sich auch hier die Beratung durch den Fachhandel. In ausreichender Zahl einzuplanende Außensteckdosen vermeiden gerade im Outdoorbereich Kabelchaos und Stolper- fallen. Dann sind auch im Sommer dem Einsatz von zusätzlichen Kühlschränken, Elektrogrills oder sonstigen Geräten keine Grenzen auf der begrenzten Dachterrassenfläche gesetzt.

Text: Rainer Güntermann

FotOS: c4sun

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