…UNTERWEGS…
In Memoriam
Manfred Schieber

Warte nicht auf Morgen – das hätten auch wir beherzigen sollen, wollten wir doch schon lange in unserer erst zwei Jahre währenden Existenz über den Broichweidener Künstler Manfred Schieber berichten. Nun müssen wir leider den ersten Jahrestag seines Todes im Mai zum Anlass nehmen, endlich diese Reportage zu veröffentlichen, denn berichtenswert ist sein Oevre allemal.

Nach Roland Mertens und Eric Peters stellen wir mit dem verstorbenen Manfred Schieber einen dritten Künstler aus der Region vor, der die Klaviatur der alten Meister meisterhaft beherrschte, aber ebenfalls diese Art der Malerei für sich ganz eigen-artig interpretierte und zu einem gänzlich neuen, unverwechselbaren Stil transformierte. Ohne irgendeinen Vergleich ziehen zu wollen, malt(e) doch jeder dieser drei Maler -bezogen auf das Genre Stillleben- scheinbar willkürlich angeordnete Gegenstände, so wie man sie vermeintlich schon in allen Museen mit derlei Gemälden zu Gesicht bekommen hat. Und dennoch reizen sie uns zum genaueren Hinsehen, weil irgendetwas anders scheint, ungewohnt, ungewöhnlich, scheinbar nicht dahin ge­hörend. Sogleich nach dem Entdecken quittieren wir es mit einem Lächeln und sind erstaunt, wie selbstverständlich und natürlich die Darstellung eigentlich ist.

Geboren 1952 in Chemnitz kam er mit den Eltern über eine kurze Zwischenstation in Berlin nach Köln, wo er seine Jugend verbrachte. Neben dem theoretischen Studium von Kunstwissenschaft, Germanistik und Philosophie in Düsseldorf, wo er auch auf seine spätere Frau traf, erlernte er ganz praktisch das Handwerk des Restaurators. Die dort angeeigneten Maltechniken der alten Meister bildeten die Grundlage für seinen dann autodidaktisch bis zur absoluten Perfektion erlernten Malstil. Im Jahr 2002 zog er mit seiner Familie nach Würselen. Ein eigener, kleiner Kunsthandel in Aachen sollte aber nur von kurzer Dauer sein. Stattdessen vereinbarte er mit seiner Frau einen Rollentausch, blieb als Haushalt führender Maler daheim, während sie hauptsächlich für den Familienunterhalt sorgte. Einzig eine Dozententätigkeit in Berlin, wo er an einer Privathochschule vornehmlich Maltechnik-Unterricht gab, lockte ihn regelmäßig aus seinem häuslichen Atelier in Broichweiden.
Vielleicht war es ja dieser auch heute noch nicht selbstverständliche Rollentausch, der ihn auch bei seiner Malerei inspirierte: Bilder scheinen vor dem Aufhängen nicht auspackt worden zu sein, sogenannte Wunderkästchen sind nicht dreidimensional und gefüllt, sondern nur so gemalt, scheinbare Farbkleckse sind akribisch nach vorher real auf Papier gekleckster Farbe nachgemalt, bei einem Stillleben mit Obstkorb ist dieses erst gar nicht aus der Plastikschale mit Kunststoffnetz herausgeholt worden oder dergleichen mehr. Stets bewegen sich die Bilder umgekehrt zur konventionellen Sichtweise, bieten Anlass zum Schmunzeln, aber auch zur kritischen Reflexion, sind anders als gewohnt, eben im besten Sinne außergewöhnlich.
Leider hat der Krebs das weitere Schaffen dieses Ausnahmekünstlers viel zu früh beendet. Gerne würden wir in Zukunft noch neue Bilder sehen, mit deren Hilfe er sein Spiel treibt mit unseren Sehgewohnheiten, unseren Illusionen von Gegenständen, die so gar nicht existieren, mit vermeintlich Bekanntem, das bei näheren Betrachten gänzlich neuartig erscheint. Leider werden wir nicht mehr in diesen Genuss kommen.

Dosenweib

Dosenkerl

 

Bei einem Besuch im ehemaligen Atelier von Manfred Schieber in seinem Haus in Broichweiden hatten wir die Gelegenheit für ein Gespräch mit seiner Witwe, Frau Krafft, die uns auch Fragen zu seinem Wirken beantwortete.

Als was hat sich Manfred Schieber gesehen: Surrealist, phantastischer Realist, moderner Renaissance-Maler oder nichts von Allem?

Für ihn stand immer das Handwerk des Malens im Mittelpunkt. Er selbst sah sich als realistischen Maler mit Anlehnung an die Renaissance. Für ihn kam Kunst von Können, nicht von Wollen, sonst hieße sie ja Wunst.

Wie hat er seine Motive gesucht?

Sein Ziel war stets die Brechung, die unerwartete Wendung bei scheinbar vorhersehbarem Verlauf. Dies alles im Stil von Stillleben, aber modern und zeitnah. Daher das Malen von Plastikblumen, die auch als solche zu erkennen sind, nicht ein Korb neben dem Brot, sondern eine Plastiktüte, nicht die Karaffe mit Wasser, sondern eine PET-Flasche.

Ist der Bildaufbau bei den Prunkstillleben zum Beispiel vorher genau geplant worden oder malte er nach Intuition?

Alles war exakt durchdacht und vorher nicht nur gedanklich genau durchgespielt. Das Bild war im Kopf bereits fertig, bevor er die entsprechenden Gegenstände in natura entsprechend aufbaute und drappierte.

Hatte Ihr Mann Lieblingsvorlagen in der Kunstgeschichte?

Ja, eindeutig die Maler des frühen 17. Jahrhunderts, vornehmlich Vermeer und van Eyck. Bei den Materialien für seine Stillleben bediente er sich sehr gern bei Lebensmitteln, die die drei Buchstaben von Tod oder tot aufnahmen, wie zum Beispiel Tomaten, Orangen und Datteln. Selbst war er aber in gar keiner Weise irgendwie nekrophil oder fatalistisch. Er sagte immer: „Die Symbolik soll mir nur ja nicht vorbeikommen.“

War er ein regelmäßiger Arbeiter oder eher ein Lust- und Laune-Maler?

Absolut konzentriert jeden Tag, wie ein gewissenhafter Arbeiter.

Die penibel genaue Malweise lässt auf einen ebensolchen Charakter schließen.

Er war genau, nicht penibel, exakt, nicht pingelig.

War er im Alltag außerhalb seines Ateliers auch derart aufgeräumt?

Ordentlich im negativen Sinne war er nicht, er war ein ausgesprochener Ästhet.

Der ständige Wechsel vom beschaulichen Broichweiden ins wuselige Berlin – war das nicht stressig und nervig?

Wir hatten zum Glück keine Wochenendbeziehung, denn die Dozententätigkeit beschränkte sich auf etwa dreimal jährlich jeweils eine Woche, daher war es ganz entspannt.

Warum hat er so selten im Raum Aachen ausgestellt? Oft sind Künstler eher Lokalhelden und schaffen es nicht über einen gewissen Radius hinaus bekannt zu werden.

Er hat den Kunstmarkt nicht gesucht, wenn er auf ihn zukam, war er aber nicht abgeneigt. Durch Freunde, die dort inzwischen tätig waren, haben sich Gelegenheiten für Verkäufe oder Ausstellungen ergeben. Das reichte ihm.

Hatte Manfred Schieber noch konkrete Pläne bezüglich seines künstlerischen Schaffens?

Die Krebsdiagnose kam im Sommer 2014. Zwischen den schwierigen Chemotherapien hat er aber immer wieder gemalt. Auch als er in den letzten drei Monaten keine Kraft mehr dazu hatte, war er noch voller Zuversicht, dass sich das wieder ändern und er wieder malen würde.

Was geschieht mit seinem künstlerischen Nachlass? Gibt es Ideen für Ausstellungen oder dergleichen?

Das ist eine Frage, die auch mich sehr umtreibt. An den Gedanken, dass ja nun kein Bild mehr dazukommen kann, muss ich mich erst noch gewöhnen. Um so wichtiger ist mir eigentlich, dass jetzt aufgrund des plötzlichen Interesses nicht alles in alle Winde verkauft wird, sondern dass der jetzige Bestand möglichst geschlossen erhalten bleibt, vielleicht zusammen als Dauerleihgabe ausgestellt wird oder dergleichen. Vielleicht ergibt sich aber auch dieses von selbst und kommt als Lösung irgendwann auf mich zu.

Frau Krafft, vielen Dank, dass Sie uns die Gelegenheit gegeben haben, dieses Gespräch über Ihren verstorbenen Mann zu führen!

 

Text: Rainer Güntermann

 

Frühjahrsputz im Garten

Schubkarre im Garten

Frühjahrsputz im Garten

Der Winterschlaf ist vorbei: Der Garten kann für den Frühling fit gemacht werden. Damit Sie das Frühlingserwachen auch in Ihrem Garten genießen können, gibt es einige Dinge zu tun. Aufstehen, der Frühling ist da!

Noch sind viele Böden gefroren oder zu kalt, um schon mit dem Pflanzen zu beginnen. Doch im Verlaufe des März wird der Boden trocken und wärmer. Somit lassen sich im März die Grundlagen schaffen für die volle Pracht, die Ihren Garten im Sommer und bis in den Herbst hinein zu Ihrer persönlichen Wohlfühloase werden lässt.

Der 1. März bezeichnet den meteorologischen Frühlingsanfang, ab dann heißt es also: Frühjahrsputz im Garten.

Schubkarre in einem GartenWas ist also zu tun? Nach dem Winter sollte zunächst aufgeräumt werden, und dabei geht es nicht nur ums Auge. Laub und Äste müssen vor allem vom Rasen entfernt werden, schließlich braucht der nach dem Frost viel Licht und die damit kommende Wärme. Er sollte nun gemäht und vertikutiert werden.
Ende März ist die Zeit reif für Dünger, zum Beispiel Eisendünger, der lästiges Moos abhält, und viel Wasser. Der Rasen wird dann mit zunehmend besserem Klima wunderbar gedeihen.

Auch die Beete müssen nun auf die Gartensaison vorbereitet werden.
Hier sollten ebenfalls GartenarbeitLaub, Äste, aber auch Mulchreste aus dem letzten Jahr entfernt werden. Zudem lässt sich bereits das erste Unkraut blicken, das gejätet werden sollte, bevor Sie Ihre Beete harken und damit auflockern. Reichern Sie die Erde nun mit Nährstoffen an, etwa vom Komposthaufen aus Ihrem Garten, der für eine reichhaltige und ausgewogene Versorgung der Beete sorgt. Verteilen Sie den Kompost flächendeckend und arbeiten Sie ihn dann mit einem Rechen ein. Das geht natürlich auch mit Kunstdünger.

ZwiebelpflanzenDer frühlingsfitte Boden kann nun bepflanzt werden, etwa mit Blütensträuchern wie Flieder und Forsythien, aber auch Hasel- oder Holunderbüschen. Auch Obstbäume und Beerensträucher können nun gesetzt werden. Eine Nummer kleiner, aber nicht minder farbenfroh wird es mit Zwiebelpflanzen. Stiefmütterchen oder Schneeglöckchen sind nicht nur bunt, sondern auch frostresistent. Krokusse, Tulpen und Narzissen pflanzen Sie am besten an feuchten Märztagen.

Ist das Klima im März besonders mild, lohnt sich auch schon der Blick aufs Gemüsebeet. Es gibt nämlich robuste Gemüsesorten wie Möhren, Zwiebeln, Knoblauch oder auch Spinat, die nun gesät werden können. Gleiches gilt für kälteresistente Kräuter wie Schnittlauch und Petersilie. Salate und Kohlgemüse sollten allerdings noch unter Folie gezogen werden. Sommerkräuter wie Basilikum, Thymian, Rosmarin oder Lavendel gehören zu dieser Zeit noch ins Gewächshaus.

In der warmen Umgebung dort können aber auch Sellerie, Paprika und Auberginen ausgesät werden, ab Ende März sogar schon Tomaten.

Bank unter blühendem Baum

Was Ihre bestehende Gartenpracht angeht, so sollten Sie auch da Hand anlegen. Baum- und Heckenbestände dürfen allerdings nur bis Ende Februar gestutzt werden, da Vögel bereits mit dem Nestbau in Bäumen und Sträuchern beginnen. Kernobstbäume, z.B. Apfel- oder Birnbäume, können desto früher geschnitten werden, je älter sie sind, was schon im Dezember losgehen kann. So oder so, ein Rückschnitt resultiert in kräftigen neuen Trieben.

Die erhalten Sie auch, wenn Sie nun Ihre Rosen schneiden. Der März eignet sich besonders dazu, denn nach dem Winter bilden Rosen neue, oft kräftig rote Triebe aus. Haben diese eine Länge von etwa drei bis sieben Zentimetern erreicht, können sie gestutzt werden – umso üppiger blühen sie später.

Nistkasten

Zum Frühling, zum erwachenden Leben, gehört natürlich auch Vogelgezwitscher – das begünstigen Sie, indem Sie ein paar Nistkästen im Garten verteilen. Halbhöhlen- oder Höhlenbrüterkästen eignen sich für Meisen oder Stare, für Kleiber, Rotschwanz oder auch Zaunkönig sollten Sie auf spezielle Modelle zurückgreifen. Bevorzugte Materialien sind hier Holz, Holzbeton oder Bimsbeton, Kunststoff oder Metall bieten zu wenig Wärmedämmung. Zudem sollten die Nistkästen nicht zu dicht beieinander hängen, um den Vögeln einen freien Anflug auf ihren Nistplatz gewähren zu können. Auch die Höhe ist hier entscheidend, schließlich sollen die Vögel und ihr Nachwuchs geschützt sein vor Räubern, wie Katzen, Mardern oder Eichhörnchen.

Hängen Sie die Öffnung möglichst nach Südosten oder Osten, da der Wind meist aus Westen oder Nordwesten weht. Um zu vermeiden, dass es ins Nest regnet sollte das Einflugloch leicht nach vorne geneigt und am besten unter einer schattigen Baumkrone platziert sein – so wird außerdem verhindert, dass sich das Nest in der prallen Sonne aufheizt.

Zweig
Reinigung von HolzterrasseDas Bild des erblühenden Gartens wird auch durch Elemente wie Gartenmöbel und Terrasse vervollständigt: Regelmäßige Pflege ist auch hier Pflicht, doch besonders nach der Winterpause benötigen sie eine neue Politur. Holzböden und -latten reinigen Sie am besten mit der Bürste – Hochdruckreiniger und Dampfstrahler können viele Holzarten beschädigen. Das gilt auch für Verbundwerkstoffe wie WPC (Wood Plastic Composite), die ebenso leicht mit Gartenschlauch, Bürste oder Besen zu reinigen sind. Bei Steinterrassen ist aber der Hochdruckreiniger erste Wahl, auch wenn man bei kleinformatigen Steinelementen vorsichtig sein sollte, damit diese nicht unterspült werden.

Gartenmöbeln aus Holz rückt man am besten mit Wasser und Kernseife zu Leibe. Bei geöltem Hartholz können sich die Holzfasern aufstellen, so dass die Oberfläche mit feinem Schmirgelpapier geglättet werden muss. Anschließend sollten Sie die Möbel auch immer nachölen. Gartenmöbel aus Kunststoff bekommen wieder neuen Glanz mit Allzweck- oder Essigreiniger.

Pinsel
Sie sehen es also schon vor sich, das blühende, lebendige Frühlingserwachen in Ihrem Garten? Dann legen Sie jetzt los mit dem Frühjahrsputz – Sie haben Weckdienst!

Text: Christian Dang-anh

VOR-HER-NACH
Harmonisch & Spannungsvoll

Dentallabor – das klingt nach Medizin, technischer Umgebung und steriler Atmosphäre. Das es auch anders geht, zeigt uns ein Vertreter dieser Branche in Eilendorf. In einem herrschaftlichen Haus wurden die Räumlichkeiten fachmännisch restauriert, technisch auf den aktuellsten Stand gebracht und gleichzeitig harmonisch und spannungsvoll mit der neuen Nutzung in Einklang gebracht. Dass dabei nicht nur medizinisch-steriles Weiß vorherrschen muss, zeigen die Bilder unserer Visite.

Treppenhaus mit Terrazzofußboden und mit stuckrahmen verzierten Wandflächen

Unübersehbar sticht die in einem satten Rot gehaltene Fassade des Gründerzeitbaus in der Eilendorfer Severinstraße schon von weitem ins Auge. Einige goldene Stuckakzente und das silbergraue Sockelgeschoss veredeln das Gesamtbild des fünfachsigen Hauses. Bis 2013 noch im ehemaligen Ladenlokal des Erdgeschosses untergebracht, packten die beiden Dentallabor-Partner Thomas Delheid und Andreas Frommhold die Gelegenheit beim Schopfe, das gesamte Haus zu kaufen und somit die nutzbare Fläche erheblich zu vergrößern. Nun betritt man die Geschäftsräume durch den ehemaligen Hauseingang und ist erst einmal überrascht, dass keinerlei erwartete Sterilität sichtbar ist. Ganz im Gegenteil: Alles Vorhandene wurde beibehalten, nichts einer Pflegeleichtigkeit oder Bequemlichkeit geopfert. So empfängt einen der mit Mosaik-Intarsien verzierte Terrazzofußboden im Treppenhaus mit einem lateinischen SALVE, die mit Stuckrahmen gegliederten Wandflächen des Entrées sind in ihrer Originalfarbigkeit belassen worden, und Deckenleuchten wurden bewusst aus der Bauepoche komplettiert, da auch die Raumaufteilung mit entsprechenden Stuckdecken und –Rosetten beibehalten wurde.


In den bis auf besagtes Treppenhaus einheitlich weiß gestrichenen Räumen mit ihrer modernsten Möblierung und mittels Wandleuchten aktuellster Technik stellen die antiken Deckenleuchten somit jenen Bruch dar, der nötig ist, um keine „moderne Langeweile“ aufkommen zu lassen. Bei den Umbauarbeiten wurde zudem auf einer Wand ein vom damaligen Stuckateur gemaltes Selbstbildnis in Form eines ovalen Medaillons entdeckt und freigelegt.
Das ehemalige Ladenlokal wurde zum Garten hin erweitert und beherbergt jetzt ausschließlich die eigentlichen Laborräume für die 14 festen Mitarbeiter(innen) und Behandlungszimmer der Patienten in Form von gläsernen Zellen. Herzstück ist der Raum mit den Hightech-Anlagen der neuesten Generation wie 3-Shape-Scanner, der die ungeliebten Abdrücke überflüssig macht, und Lasercomputer, die den Zahnersatz aus allen benötigten Materialien passgenau digital fräsen. Hier ist der Spannungsbogen zwischen alter Architektur und neuen Benutzern am größten und die an die beiden Nachnamen angelehnte Firmierung „Dentale Faszination“ nachvollziehbar.
Ein weiteres Highlight ist der Schulungsraum im komplett neu ausgebauten Dachgeschoss. Zusammen mit den Nebenräumen für die benötigte Infrastruktur, wie zum Beispiel eine Catering-Küche, ist diese abgeschlossene Einheit auch ideal für Seminare, Vorträge, Lesungen oder Empfänge und überdies auch allgemein anzumieten.
Bleibt unterm Strich zu vermerken, dass die implizierte Sterilität eines Labors nicht zwangsläufig zu einem ebensolchen Ambiente führen muss. Visuelle Spannung und optische Faszination entstehen oft erst durch gekonntes Zusammenführen konträrer Interieurs und das bewusste Akzentuieren mittels „Stil-Bruch“.

 

Text: Rainer Güntermann
Fotos: Holger Schupp

Wohnen mit Möbelklassikern

Wohnen mit Möbelklassikern

We call it a Klassiker – nicht nur Franz Beckenbauer weiß Bescheid. Kaum ein Möbelhaus mit Qualitätsanspruch kommt an ihnen vorbei. Will ein Kunde auf Nummer sicher gehen bezüglich Design und Erkennungswert bei Gästen, wählt er gern ein Möbel, welches diesem Selbstverständnis entspricht. Möchte man dennoch eine individuelle, unverwechselbare Note bei der Möblierung mit Möbel-Klassikern einbringen, sind Vintage-Exemplare mit gern auch sichtbarer Vergangenheit das viel zitierte i-Tüpfelchen der Gesamteinrichtung.

 

Klassiker heißen Klassiker, weil sie nie richtig aus der Mode gekommen sind, alle Trends der Zwischenzeit überlebt haben und immer gut kombinierbar sind, obwohl oder auch weil sie Solitäre sind. Kein Möbel wird direkt als Klassiker entworfen oder mit dem Ziel gebaut, ein Klassiker zu werden, aber wenn der Entwurf sich als typisch für den jeweiligen Zeitgeist herausstellt und revolutionär neu ist, stehen die Chancen nicht schlecht, diese Laufbahn einzuschlagen. Oft gelten derartige Stücke zunächst als Mauerblümchen, weil sie –noch- nicht verstanden werden. Aber der Geist des Entwurfes überlebt und überzeugt mit der Zeit, weil er als Synonym für eine Epoche wahrgenommen wird. „Normale“ Möbelentwürfe bedienen nur den aktuellen, flüchtigen Einrichtungsgeschmack und verschwinden auch wieder mit ihm. Es gibt Möbel, die nahtlos diesen Übergang schaffen, andere werden oft in einem neuen Zeitgeist wiederentdeckt und sodann in den „Club“ aufgenommen.

Viele Klassiker wurden für den Massenmarkt entworfen

Grand Confort von Le Corbusier

Die Liste dieser Klassiker wird immer länger, da viele Hersteller, die im Besitz bestimmter Nachbau-Lizenzen sind, diese inzwischen variieren, ohne den Entwurf selbst zu verändern. Allein durch alternative Farben und Materialien entstehen gänzlich neue Aussagen. Auch dadurch besteht für den Käufer die Möglichkeit, eine persönliche Geschmacksnote in seine Einrichtung zu bringen.
Viele Klassiker wurden eigentlich für den Massenmarkt entworfen wie andere Möbel auch, wie zum Beispiel der Side Chair von Charles und Ray Eames aus dem Jahr 1950. Andere waren Bestandteil eines Gesamtkonzeptes für ein neues Gebäude, so der Barcelona-Sessel, entworfen vom gebürtigen Aachener Mies van der Rohe für den deutschen Pavillon auf der Weltausstellung 1929, der erst später in großer Stückzahl produziert wurde. Auffällig ist, dass viele heute beliebte Möbelklassiker aus der jeweils ersten Dekade nach den beiden Weltkriegen stammen. Allgemeine Ressourcenknappheit und Aufbruchstimmung führten damals zu klaren, im Wortsinn un-modischen Entwürfen, nämlich sparsam im Materialeinsatz, aussagekräftig in der Form, neuartig in der Herstellung und oft auch mutig in der Farbgestaltung. Das kompromissloseste Beispiel hierfür ist wohl der 1918 von Gerrit Rietveld entworfene Rood-en-Blauw-Sessel, ein Tabubruch auf der ganzen Linie in Form, Material und Farbe. Aber auch der Wassily-Sessel von Marcel Breuer aus dem Jahr 1925, der Fauteuil Grand Confort, besser bekannt als Sesselkubus, von Le Corbusier 1928 entworfen und der Edelstahl-Freischwinger-Stuhl S33 von Mart Stam aus dem Jahr 1926 gehören dazu.

Der Stuhl überhaupt gilt als die Herausforderung für den Entwerfenden

Ameisen-Stuhl von Arne Jacobsen

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren es vor allem skandinavische Designer, die für innovative Möbel-Revolutionen sorgten. Der Finne Eero Saarinen 1956 mit seinem einbeinigen Tulpenfuß- Tisch 173 mit Marmorplatte, bereits 1949 der Schwede Nisse Strinning mit dem Hängeregalsystem String (Bild auf der rechten Seite) und 1952 Arne Jacobsen aus Dänemark mit seinem dreibeinigen Ameisen-Stuhl 3100. Dabei gilt überhaupt der Stuhl als die Herausforderung für den Entwerfenden, sei er Designer, Architekt oder Handwerker. Ästhetisch für das Auge, sinnlich in der Haptik und gleichzeitig und vor allen Dingen bequem für den Besitzenden. Erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es den Stuhl als Massenprodukt. Bis dahin wurden Stühle als handwerkliche Einzelstücke gefertigt. Michael Thonet aus Boppard gelang 1859 mit einem dampfgebogenen Buchenholz-Stuhl für ein Wiener Kaffeehaus der Durchbruch. Sein Verfahren revolutionierte den Möbelbau, auch weil er die Produktion dahin verlagerte, wo das Material herkam, nahe den riesigen Buchenholzwäldern im damaligen Mähren. Bis 1930 wurden allein von dem allseits als Kaffeehausstuhl bekannten Modell 14 mit den Doppelbögen als Rückenlehne mehr als 30 Millionen Exemplare gefertigt.

Spannende Italiener die schon vor der Memphis-Bewegung nachhaltig kreativ waren

Bogenleuchte Arco

Bei der Beschäftigung mit dem Thema Möbelklassiker ist man erstaunt, wie vielfältig und facettenreich diese „Einrichtungsecke“ ist. Sie besteht nämlich nicht nur aus dem allgegenwärtigen Lounge-Chair von Charles und Ray Eames und daneben dem Beistelltisch aus Chrom und Glas von Eileen Gray. Spannender, weil nicht so „kenn’ ich – hab’ ich“ sind viele „Italiener“, die auch schon vor der Mailänder Memphis-Bewegung der 80er Jahre und vielleicht im Gegensatz zu ihr nachhaltig kreativ waren. Gio Ponti reduzierte mit seinem 1957 entworfenen Superleggera den Stuhl auf sein Wesentliches, ohne Effekthascherei, bequem, leicht, angenehm. Das Sofabett oder Bettsofa Anfibio von Alessandro Becchi aus dem Jahr 1970 stellt keinen Kompromiss zwischen beiden Möbeln dar, sondern ist beides pur. Gino Sarfatti brachte 1952 mit dem Modell 2097/30 den Inbegriff eines modernen Kronleuchters auf den Markt. Dies war die Initialzündung für eine ganze Reihe von Lampenentwürfen italienischer Kreativer. Als Beispiele seien genannt die Bogenleuchte Arco mit Marmorfuß von Achille und Pier Giacomo Castiglioni aus dem Jahr 1962, die Deckenleuchte Bolla, 1965 von Elio Martinelli entworfen und 1967 die Tischleuchte Pipistrello von Gae Aulenti, eine der wenigen weiblichen Vertreterinnen der Designer-Zunft.

Einrichtungsgegenstände individuell kombinieren dann ist optische spannung garantiert

Vielen heutigen Klassikern ist gemein, dass sie aufgrund immer neuer Techniken und Materialien die Formgebung minimiert haben, um die jeweiligen Möbel auf den jeweiligen Zweck zu fokussieren, Schlagwörter hierzu sind „Form follows function“ und „Less is more“. Da heutzutage aber zum Beispiel auf dem Leuchtensektor durch LED-Technik diese Prämisse zu extrem winzigen Objekten führen würde, die gar nicht mehr als Einrichtungsgegenstand wahrgenommen würden, erleben wir zur Zeit nicht nur auf diesem Gebiet eine Gegenbewegung hin zu wieder opulenteren Hüllen, zu materialintensiveren Entwürfen, die herstellungstechnisch nicht notwendig sind, aber das Möbel wieder bemerkbar ins Licht rücken. Auch bei Sitzmöbeln „darf wieder gewohnt“ werden, ist man nicht mehr Statist in einer Möbelinszenierung. Nach wie vor aber besteht die Kunst darin, Einrichtungsgegenstände individuell zu kombinieren, seinen persönlichen Wohnstil zu finden. Nicht die Adaption gängiger Schaufenster-Ensembles von Klassiker-Nachbauten, sondern das Einfügen „visuell unverbrauchter“ Möbelstücke ergeben ein unverwechselbares Ambiente. Oder aber man findet Original-Klassiker mit Patina und eigener Geschichte, dann ist optische Spannung garantiert.

TEXT: RAINER GÜNTERMANN
FOTOS: Vitra, Thonet, Cassina

Auf dem Teppich bleiben

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Auf dem Teppich bleiben

Wer bei Teppichen nur an die Stolperbrücken von den Großeltern denkt, ist nicht mehr auf dem neuesten Stand. In den letzten zwei Dekaden hat sich das Angebot auf diesem Einrichtungssektor gewaltig gewandelt. Damit sind nicht etwa neue Modelle der in Deutschland so beliebten Auslegeware gemeint, auch nicht psychodelisch gemusterte Wuschelteppiche aus Synthetikfasern, sondern hochwertige Neuinterpretationen von orientalischen Vorbildern aus hochwertigen Naturmaterialien, welche auch mit modernsten Einrichtungskonzepten harmonieren. Wir stellen Ihnen einige Beispiele dieser neuen Vertreter traditioneller Knüpfkunst vor und beleuchten auch deren Historie.

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Als erster nachweislicher, geknüpfter Teppich gilt der in der Sankt Petersburger Eremitage ausgestellte Pasyryk-Teppich, benannt nach seinem Fundort im südsibirischen Altai-Gebirge an der Grenze zur Äußeren Mongolei. Er wird auf etwa 500 Jahre vor Christus datiert und ist aufgrund seiner Eiskonservierung im Permafrostboden einer Grabstätte bis zu seiner Entdeckung 1947 sehr gut erhalten. Entstanden ist die Knüpfkunst wohl in Zentralasien, wo die Nomadenstämme mehr Schutz in den strengen Wintern brauchten, als dies die Felle ihrer Tiere erlaubte. Schafswolle und Ziegen- oder Kamelhaare wurden auf liegenden, mobilen Webstühlen verarbeitet, die leicht ab- und woanders wieder aufzubauen waren. Zunächst sind es aber vornehmlich sogenannte Wirkteppiche aus Flachgewebe, bei denen die Kett- und Schussfäden miteinander verflochten wurden. Sie bildeten Alltagsgegenstände wie Satteltaschen, Eingangsvorhänge zur Jurte oder Säcke, die beim Weiterziehen schnell aufgerollt und verpackt waren. Beispiele sind die bekannten Kelims, die aufgrund dieser Webart von beiden Seiten gleich aussehen. Im Laufe der Jahre gewann auch der schmückende Aspekt Bedeutung, und Knüpfteppiche, bei denen zusätzlich Woll- oder Seidenfäden eingeknotet wurden, bildeten repräsentative Statussymbole und waren oft der wertvollste Besitz. Einzelne Stämme entwickelten ihre eigenen Muster und Farbkompositionen, die nach der jeweiligen Herkunft, der sogenannten Provenienz, benannt wurden. Der Vergleich mit schottischen Tartans oder europäischen Familienwappen ist nicht abwegig.

Erste Exemplare ins Abendland brachte Alexander der Großen gegen 330 vor Christus von seinen Asienfeldzügen mit, und ab 710 nach Christus gründeten die Mauren auf der iberischen Halbinsel rund um Cordoba und Granada eine regelrechte Industrie für Teppiche nach orientalischen Stil. Im 16. Jahrhundert erreichte die orientalische Teppichkunst an den Hofknüpfschulen der Perser und Inder einen ersten Höhepunkt. Aufgrund der Vergänglichkeit der Materialien sind aber nur wenige Exemplare erhalten. Aufschluss geben aber Gemälde aus der Zeit, die in ihrer Detailverliebtheit auch Teppiche als Wand- oder Bodenschmuck zeigen. bangkok_004_v1_4500159-tabrizcanalrocked_navyblue-neonpinksilkZudem ist die Architektur mit ihren Ornamenten und Mosaiken ein wichtiger Zeitzeuge, da die Baumeister sich von den grafischen oder floralen Mustern der Teppiche inspirieren ließen. Orientteppiche können aber nicht nur aus Indien oder dem Iran kommen. Auch die Türkei, der Kaukasus, Pakistan und Afghanistan zählen zu den Produktionsländern. Weitere Teppiche kommen aus China, Nepal und der Mongolei, dazu die Berberteppiche aus der Maghreb-Region. Der Teppichflor, der nach dem Einknoten mittels einer einfachen Handschere auf gleiche Höhe geschoren wird, variiert je nach Knüpftradition. Je feiner die eingeknüpften Fäden sind, desto flacher ist später der Flor. Der größte handgeknüpfte Teppich stammt aus dem Iran und misst 6000 Quadratmeter, der feinste ist ein Seidenteppich aus der Türkei mit 625 Knoten auf einem Quadratzentimeter. Heute aber werden viele Teppiche als Kopien bestimmter Provenienzen hergestellt, sei es aufgrund niedrigerer Löhne in Nachbarländern, sei es aufgrund von ausgestorbener Knüpfkultur wegen des Fundes von Erdöl und somit besseren Verdienstmöglichkeiten in dieser Industrie.
Die erwähnten Wirkteppiche gelangten im 17. Jahrhundert in Frankreich mit den Gobelins zu neuer Blüte, aber auch im belgischen Gent, Brügge und Brüssel. In England spezialisierte man sich zur gleichen Zeit auf die Produktion von geometrisch gemusterten Teppichen nach anatolischen und floralen Exemplaren nach persischen Vorbildern. Hier wurde auch 1785 das erste Patent auf einen mechanischen Webstuhl angemeldet.

bangkok_010_4600019_serapiqueensburysky_brownredsilkWurden bis circa 1850 nur pflanzliche oder tierische Materialien zum Färben benutzt, kamen nun vermehrt synthetische Farbstoffe zum Einsatz.
In Deutschland fasste gegen Mitte des 19. Jahrhunderts die Teppichherstellung Fuß, die aber von Werk zu Werk sich auf andere Produktionsarten spezialisierte. Einige Betriebe schafften es, handgeknüpfte und künstlerisch außerordentlich wertvolle Teppiche herzustellen, die den Originalen in Nichts nachstanden. Bekannte Vertreter sind die Vereinigte Smyrna-Teppichfabrik AG in Cottbus, die Barmer Teppichfabrik Vorwerk & Co in Wuppertal oder die Firma Gebrüder Schoeller in Düren. Es entstand auch eine weitere Art der Teppichherstellung, das Tuften. Hier werden nicht einzelne Fäden in die Kette geknotet, sondern Fadenschlingen dicht nebeneinander eingebracht und später aufgeschnitten – getuftet. Statt Wolle wurde aber nunmehr vermehrt Baumwolle verarbeitet, nach dem Zweiten Weltkrieg sogar immer mehr Synthetikgarn. Auch das Aussterben des Nomadentums, das Sesshaftwerden, führte im 20. Jahrhundert zu gewaltigen Veränderungen auf dem Teppichmarkt.
In den 1950er Jahren erlangten hochwertige Orientteppiche nach Originalvorlagen und aus edlen Materialien wieder Luxusstatus und wurden nicht nur dicht nebeneinander auf Parkett und Naturstein gelegt, sondern auch gerne auf die neumodische Auslegeware. Junge Leute bekämpften kurze Zeit später zwar den Muff unter den Talaren, ‚alte Perser’ aber waren willkommene Unterlagen für ihre Matratzenlager, und nicht wenige Hippies kannten sie ja auch von ihren Trips nach Indien und Nepal.
Dort war auch der Sohn eines alteingesessenen Bochumer Orientteppichhändlers unterwegs, allerdings nicht beruflich, denn er wollte mit dem elterlichen Geschäft nichts zu tun haben, fand Orientteppiche uncool und spießig. Aber als ihm das Geld ausging, nahm er einen Job bei einem Freund und Lieferanten seines Vaters in Kathmandu als Warenkontolleur an. Die Teppiche holten ihn, Jan Kath, wieder ein, und er fand Gefallen daran. Nach Stationen unter anderem in Ulan Bator in der Mongolei kehrte er nach Bochum zurück, inzwischen mit Frau und Kindern. In einer Zeit, wo in seiner Heimat keiner mehr Orientteppiche haben wollte, kaufte er die Firma seines ehemaligen Arbeitgebers, und nach einigen Anfangsschwierigkeiten mit klassischen Tibetteppichen entdeckte er die gestalterischen Möglichkeiten, die die Knüpfkunst bietet. Zwanzig Jahre später lässt Jan Kath in verschiedenen Ländern wie Nepal, Indien, Türkei und Marokko anfertigen, von hunderten erfahrenen Knüpfer(inne)n – ohne Kinderarbeit, mit Fair-Trade-Siegel, in zentralen Werkstätten mit Kinderhort, Krankenstation und Arbeiterunterkünften. Er lässt aus Brennesselfasern, Seide und handversponnener Hochlandwolle nach eigenen, immer wieder verblüffenden Entwürfen qualitativ höchstwertige Teppiche knüpfen, die natürlich ihren Preis haben. Aber zu seiner Klientel zählt inzwischen auch das Who is Who der weltweiten Celebreties.

frwl_3Längst hat er das Genre des Orientteppichs gesprengt: Seine Exemplare lassen die Muster der Provenienzen noch erahnen, auch Fransen dürfen sein, zum Beispiel in pink, aber die Oberflächen scheinen sich wie nach einem Salzsäurebad aufzulösen, dreidimensionaler Flor verführt zum Streicheln, wie auf Gemälden ist das Auge permanent auf Entdeckungsreise.
Im Zuge der Teppich – Renaissance sind einige Hersteller dazu übergegangen, namhafte Künstler mit einem Entwurf für einen außergewöhnlichen Teppich zu beauftragen, der dann in Serie hergestellt wird und oft zur neuen Identität der Firma beiträgt. Längst werden Jan Kaths Teppich-Revolutionen aber für den Massenmarkt einfach nur kopiert. Dies bezieht sich natürlich mehr auf die Optik, die mal mehr, mal weniger gekonnt, mal mehr, mal weniger dreist adaptiert wird. Hinsichtlich Qualität und Aufwändigkeit in der Herstellung dagegen wird nur sehr selten das Vorbild erreicht. Es gilt daher auch hier: Eine Kopie ist eine Kopie ist eine Kopie. Das Original hingegen ist unverwechselbar, das gilt für einen alten Orientteppich genauso wie für einen Jan Kath.

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TEXT: RAINER GÜNTERMANN
FOTOS: Jan Kath